Gyn-Depesche 3/2009
DGPM + GNPI 2009, Berlin, 6.-9.5.2009
Wenn sich Peri- und Neonatologen treffen...
(Nichts) Neues vom Bilirubin
„Wie gelb ist gelb?“ fragten I. Müller-Hansen et al., Tübingen. Da Neugeborene immer früher entlassen werden, kommt es vermehrt zu nicht rechtzeitig erkannter Hyperbilirubinämie. Bei der Kontrolle außerhalb der Klinik besteht das Problem, dass die verschiedenen angewandten Bilirubin-Bestimmungsmethoden deutlich unterschiedliche Messwerte liefern. Die Autoren empfehlen eine Beschränkung auf wenige Methoden und, solange keine Referenzmethode vorhanden ist, Vorsicht beim Umgang mit Grenzwerten.
H. Rabe et al., Brighton, UK, haben eine Methode erarbeitet, die auch bei Phototherapie eine Bilirubin-Messung ohne Blutabnahme ermöglichen soll. Bei 28 Frühchen konnten sie 36-mal die mit Haut-Sensor und Weißlichtspektroskopie gemessenen Werte mit solchen aus dem venösen Blut vergleichen. Die Korrelation war gut. Die Autoren wünschen sich nun eine große Studie zur Verifizierung.
Falsche Medikation hat Folgen
B. Huber et al., Bern, berichteten über ein in SSW 35 geborenes Baby, dessen Mutter während der ganzen Gravidität Valsartan eingenommen hatte. Es fanden sich ein komplettes Anhydramnion, neonatale Anurie, vergrößerte hyperechogene Nieren, Hypotonie, Extremitäten-Kontrakturen und eine Hypoplasie der Schädelknochen. Eine Lungenhypoplasie konnte ausgeschlossen werden. Es gelang ohne Dialyse, die Ausscheidung innerhalb von zwei Tagen zu normalisieren. Im Follow-up blieb die Nierenfunktion normal. Da sich der Verlauf in solchen Fällen nicht vorhersagen lässt, plädieren die Autoren dafür, betroffene Babys dort zu behandeln, wo adäquate pädiatrisch-nephrologische Kenntnisse vorliegen.
U. Lindner et al., Homburg Saar, konnten trotz Beatmung und intensivmedizinischer Betreuung ein Frühchen aus SSW 28 + 4 (Notsectio bei fehlender Herzaktion) nicht retten. Es hatten Anhydramnie und Wachstumsretardierung vorgelegen; neben Gesichtszügen wie bei Potter-Syndrom fanden sich Extremitäten-Kontrakturen und Hypoplasie der Schädelknochen. An vergrößerten Nieren war die Ausbildung der Tubuli gestört. Die Mutter hatte Bisoprolol plus Olmesartan eingenommen.
Von Strep B und Pneumokokken
M. Kunze et al., Freiburg, zeigten, dass sich das in Deutschland empfohlene Screening auf Streptokokken der Gruppe B lohnt. Sie konnten die Kultur-Ergebnisse von Screening und Ohrabstrich bei 657 Mutter-Kind-Paaren vergleichen. 21,1% der Mütter und 2,8% der Babys waren positiv. Zweimal wurde eine Neugeborenen-Sepsis nachgewiesen.
Intrapartale Antibiotika-Prophylaxe bzw. Sectio korrelierten signifikant mit niedrigeren Transmissionsraten. Alle Keime reagierten auf Penicillin, Ampicillin und Cefotaxim. Die Autoren unterstützen die Empfehlung, generell alle Schwangeren zu screenen.
B. Steinacker et al., Heidelberg, befassten sich mit dem Impfschutz für Frühchen. Die 52 Kinder waren im Schnitt in SSW 27 + 3 zur Welt gekommen. Zeitgerecht erhielten sie eine hexavalente Vakzine und simultan einen Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff. Die Impfung führte zu einer Zunahme kardiorespiratorischer Ereignisse sowie bei 98% der Babys zu einem Anstieg der Körpertemperatur. Die Autoren empfehlen die Durchführung der Impfung – allerdings unter stationären Bedingungen und Monitor-Überwachung.
Hilft „Viagra“ bei BPD?
A. Münch et al., Berlin, weisen darauf hin, dass die Mortalität bei bronchopulmonaler Dysplasie entscheidend davon abhängt, ob es zur pulmonalen Hypertonie kommt, und dass bei primärer Erkrankung daran oft Sildenafil im Off-label-Gebrauch eingesetzt sowie in Studien getestet wird. Mit Einverständnis der Eltern erhielten drei Frühgeborene mit schwerer BPD den Wirkstoff, als sich nach drei bzw. vier Monaten eine pulmonale Hypertonie einstellte. Durch die Medikation besserte sich die rechtsventrikuläre Funktion. Die Autoren wünschen sich nun hierzu kontrollierte klinische Studien.
Von Blut und Gefäßen
H. Sabir et al., Düsseldorf, mussten ein reifes Neugeborenes behandeln, bei dem wegen auffälligen CTGs zweimal eine Mikroblutuntersuchung durchgeführt worden war und das schließlich per Sectio entbunden wurde. Es befand sich im Schock und hatte aus zwei klaffenden Schnittwunden am Hinterkopf viel Blut verloren, sodass Beatmung, Volumen- und Blutprodukt-Gabe nötig waren. Der kleine Junge litt an erblichem Faktor-IX-Mangel. Bei solchen Blutungskomplikationen sollte man immer an eine gestörte Blutgerinnung denken.
Z. el Hafid et al., Stuttgart, wollten wissen, ob sich mit individualisierter Behandlung des persistierenden Ductus arteriosus bei Frühgeborenen Indometacin einsparen lässt. Sie hatten seit fünf Jahren nur mehr große Ductus behandelt und die Medikation gestoppt, sobald diese nicht mehr nachweisbar waren. Im Vergleich mit früheren Fällen zeigt sich ein Trend zu niedrigeren Gesamtdosen. Hohe kumulative Dosen über 0,6 mg/kg brauchten sie signifikant seltener. SN
Quelle (Vortrag): Tagungstitel: 24. Deutscher Kongress für Perinatale Medizin, Vortragstitel: , Vortragender: , Ort: Berlin, Datum: 06.-09.05.09
Quelle (Vortrag): Tagungstitel: 35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Vortragstitel: , Vortragender: , Ort: Berlin, Datum: 06-09.05.09
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