Gyn-Depesche 5/2009

8. Deutscher Endometriose-Kongress, Münster, 9. bis 12.9. 2009

Rätselhaftes Leiden besser erkennen und behandeln

Eine Plattform für Wissensaustausch und Weiterbildung wollen alle zwei Jahre mit ihrem Kongress die Stiftung Endometriose Forschung und die Europäische Endometriose-Liga bieten. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften wie DGGG und DGEF in diesem Herbst in Münster statt.

Wieviel Depression und Angst herrschen?

L. Schute und Kollegen, Berlin, untersuchten 150 Patientinnen eines Endometriose-Zentrums, bei denen die Erkrankung laparoskopisch diagnostiziert worden war. Nach dem Beck-Depressions-Inventar (BDI) hatten 31% der Frauen eine leichte und 17% eine klinisch relevante Depression. Bei Anwendung der Hamilton-Depressions-Skala (HAMDS) war eine leichte Depression in 37,3%, eine mittelschwere in 8% und eine schwere in 4% festzustellen. Das Beck-Angst-Inventar (BAI) wies auf eine leichte Angstsymptomatik bei 37% der Patientinnen, eine mäßige bis starke bei 17% und eine sehr starke bei 6% hin. Ganz frei von Angst- oder Depressionssymptomen war nur ein Drittel der Frauen. Hier besteht pharmakologischer und psychologischer Therapiebedarf.

Kommen Serum-Parameter für die Diagnostik in Frage?

Ob sich das hsCRP (hochsensitive CRP) besser als das konventionelle CRP eignet, wollten J. Lermann et al., Erlangen, wissen. Zwar fanden sich bei 82 laparoskopierten Frauen bei den 48 von Endometriose betroffenen ein Trend zu erhöhten CRP- und hs-CRP-Werten, aber keine deutlichen Vorteile von hsCRP und keine Korrelation mit der Schwere der Erkrankung. Bei sehr niedrigem hs-CRP erscheint die Diagnose weniger wahrscheinlich.

Mit mehreren Markern gleichzeitig befassten sich D. Hornung et al. in Lübeck, Aachen und Berlin. Sie bestimmten mit PCR die Expression der mRNA von CCR1, einem Chemokin-Rezeptor, in Leukozyten (eine Erhöhung bei Endometriose ist bereits bekannt) sowie zugleich im Serum CA125 und MCP1 (monocyte chemotactic protein-1). Beide Serum-Parameter lagen bei Endometriose signifikant höher als bei gesunden Frauen. Aus der Kombination der Werte ließ sich ein Test zusammenstellen, der eine Sensitivität von 92,2% aufwies. Die Spezifität lag bei 92,3%. Der negative prädiktive Wert für Endometriose betrug 83,3%, der positive 94,4%. Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass sich die Methode für die Diagnose wie den Ausschluss einer Endometriose eignen könnte und somit eine Chance für eine frühere Therapie bietet. Von den ers­ten Symptomen bis zur Diagnose vergehen im Schnitt sechs bis neun Jahre.

Gegen neue Empfehlungen des American College of Obstetricians and Gynecologists sprach sich K.-W. Schweppe, Ammerland, aus. Danach soll versucht werden, die Diag­nose-Problematik mit der probatorischen Gabe von Endometriose-Therapeutika wie GnRH-Analoga zu entschärfen. Dadurch drohen aber Fehlbehandlungen. Zum einen beruhen verdächtige Symptome je nach Alter der Frau nur zu einem Viertel auf Endometriose, zum anderen bestätigt die Histologie je nach Entnahmeort nur in 72 bis 88% die verdächtigen Laparoskopie-Befunde.

Spielen Stammzellen bei der Proliferation mit?

M. Wolf et al., Münster und Tübingen, nahmen an, dass an der hohen regenerativen Kapazität des Endometriums – sie ist bei jedem Zyklus gefragt – Stammzellen mitwirken. Das Protein Musashi-1 (Msi1) erhält die Pluripotenz von Progenitorzellen aufrecht. Die Expression des Proteins charakterisierten die Autoren in Gewebe von 46 Patientinen, darunter Endometrium, Endometriose-Herde und Endometriumkarzinom-Ge­webe. Bei einem Vergleich mit Myometrium fand sich im Endometrium eine höhere Expression, vor allem im Stratum basale. Die Zahl von Zellen, die Msi1 bildeten, war, verglichen mit sekretorischem Endometrium, im proliferativen viermal höher sowie fünfmal (signifikant) höher in den Proben aus Endometriose-Herden und den Karzinomen. Die Autoren zeigten auch, dass sich in einer Endometriumkarzinom-Zelllinie die Produktion des Proteins durch siRNA (small interfering RNA) reduzieren ließ. Die Ergebnisse stützen die Hypothese der Stammzell-Beteiligung, aus der sich therapeutische Ansatzpunkte ergeben könnten.

Epigenetische Modulation der Genexpression erprobt

E. P. Samartzis bzw. M. Schneider und Kollegen aus Zürich setzten bei einer immortalisierten Endometriose-Zelllinie Romidepsin, einen Histon-Deazetylase-Hemmer, ein. Diese Substanzen sind aus der Tumorforschung bekannt. Zum einen gelang es, die Sekretion von VEGF zu reduzieren (vascular endothelial growth factor; Bedeutung bei Endometriose mehrfach beschrieben). In der zweiten Studie veränderte das epigenetisch wirkende Medikament die Cadherin-Expression in der Linie der nicht ganz ausdifferenzierten Zellen aus einer Endometriose-Läsion. Ihnen fehlte das Adhäsionsmolekül E-Cad, während N-Cad vorhanden war. In der Onkologie spricht man von Cadherin-Switch. Unter Romidepsin wurde E-Cad auf- und N-Cad fast vollständig abreguliert. Zudem ging die Migrationsfähigkeit der Zellen im „wound healing assay“ zurück. Evtl. lassen sich Histon-Deazetylase-Hem­mer eines Tages zur Endometriose-Rezidiv-Pro­phylaxe oder bei destruktiven, tief infiltierenden Herden nutzen. SN

Quelle (Vortrag): Tagungstitel: 8. Deutscher Endometriose Kongress, Vortragstitel: Rätselhaftes Leiden besser erkennen und behandeln, Vortragender: , Ort: Münster, Datum: 09.-12.09.2009