Praxis-Depesche 5/2010

Hyperparathyreoidismus

Ins Auge gegangen

Eine 84-jährige Patientin litt seit einem Jahr unter einer zunehmenden weißen Verfärbung der linken Pupille und Abnahme des Sehvermögens. Schmerzen bestanden nicht. Es war aber zu Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust gekommen.

Bei der Spaltlampenuntersuchung war die Linsenkapsel weiß und mit weißen Kristallen angefüllt. Zunächst dachte man an eine chronische Augeninfektion. Man entnahm eine Biopsie der Linsenkapsel und räumte die Kristalle aus (das Sehvermögen wurde dadurch stark gebessert). Es fiel auf, dass die Kristalle hart und brüchig waren, wie Kalk. Die mikrobiologischen Untersuchungen der Biopsie blieben aber negativ.

Labortests ergaben dann eine Hyperkalzämie, ein relativ niedriges Phosphat, ein niedriges Vitamin D, eine erhöhte AP und einen hohen Kalzium-Kreatinin-Quotienten im Urin. Ein ho­her Parathormon-Spiegel bestätigte die Diagnose primärer Hyperparathyreoidismus.

Im MIBI-Szintigramm stellte man einen hyperaktiven Knoten in der linken unteren Nebenschilddrüse fest. Die Exzision ergab ein Adenom. Nach dessen Entfernung besserten sich alle Befunde.

Ein Augenbefund wie oben sollte stets zum Anlass genommen werden, nach einer Hyperkalzämie zu suchen. WE

Quelle:Pandit, RJ: Loss of vision? Clear as crystal!, Zeitschrift: THE LANCET, Ausgabe: 375 (2010), Seiten: 610

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