Apotheken-Depesche 6/2010

CAVE

Neuropathie: schlechter unter Metformin

Die Beschwerden bei diabetischer Neuropathie können aus unbekannten Gründen stark variieren. Eine Verschlechterung kann auch iatrogene Gründe haben.

Metformin gilt als das orale Antidiabetikum der ersten Wahl. Neben seinen guten Eigenschaften gibt es aber eine ungünstige, die sich bei Patienten mit diabetischer Neuropathie bemerkbar machen kann. Sie hängt damit zusammen, dass das Medikament die Verfügbarkeit von Cobalamin (Vitamin B12) vermindern kann. Den genauen Mechanismus kennt man nicht. Die Hypothesen reichen von verschlechterter Resorption bis Hemmung eines Rezeptors.

Zwei kanadische Autoren prüften bei Typ-2-Diabetikern den Einfluss einer Metformin-Therapie (n = 59) bzw. keiner (n = 63) auf den Schweregrad einer bestehenden peripheren Neuropathie und auf die Serumspiegel von Cobalamin, Homocys­tein und Methylmalonsäure (MMA).

Unter Metformin waren die Spiegel von Cobalamin erniedrigt, die von MMA und Homocystein erhöht. Die periphere Neuropathie war bei diesen Patienten schwerer ausgeprägt. Die kumulative Metformin-Dosis korrelierte eng mit diesen Veränderungen.

Der Mechanismus der Beeinflussung ist nicht bekannt; man weiß ja insgesamt wenig über die Pathophysiologie der peripheren Neuropathie.

Die Autoren empfehlen deshalb zu Beginn und auch während einer Therapie mit Metformin Bestimmungen von Cobalamin im Se­rum vorzunehmen, um Verschlechterungen einer Neuropathie richtig einschätzen und einen Cobalamin-Mangel ggf. beheben zu können. Diese Maßnahme könnte große Bedeutung für die Lebensqualität vieler Diabetiker haben. WE

Quelle:Wile, DJ: Association of metformin, elevated homocysteine, and methylmalonic acid levels and clinically worsened diabetic peripheral neuropathy, Zeitschrift: DIABETES CARE, Ausgabe: 33 (2010), Seiten: 156-161

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