Neuro-Depesche 7/2010

Bisher unterschätzt?

Leukämie-Risiko unter Mitoxantron

Spanische Neurologen prüften die kumulative Inzidenz einer akuten myeloischen Leukämie (AML) in zwei Kohorten von MS-Patienten und bei den zuvor in der Literatur berichteten Fällen.

Sechs neue AML-Fälle wurden aus zwei prospektiv nachbeobachteten MS-Gruppen mit 142 bzw. 88 Patienten berichtet, die mit Mitoxantron behandelt worden waren. Die Literaturprüfung ergab 32 weitere AML-Fälle, von denen 65,6% an einer therapiebezogenen akuten promyeloischen Leukämie (APL) erkrankten: Fünf Patienten erfüllten die APL-Diagnosekriterien, einer erhielt die Diagnose einer prä-B-akuten lymphoblastischen Leukämie. Die Latenz für eine AML nach Beendigung der Mitoxantron-Therapie lag zwischen einem und 45 Monaten.

Die akkumulierte Inzidenz und Inzidenzdichte betrugen 2,82% bzw. 0,62% in der Valencia-Kohorte und 2,27% bzw. 0,44% in der katalonischen Kohorte. Bei den sieben zuvor berichteten Serien hatte die akkumulierte AML-Inzidenz lediglich zwischen 0,15% und 0,80% variiert.

Das Leukämie-Risiko von MS-Kranken unter Mitoxantron bedarf nach Ansicht der Autoren einer sorgfältigen Neubewertung. Ihre Erkenntnisse sprechen u. a. dafür, die Blutuntersuchungen über mindestens fünf Jahre nach der letzten Mitoxantron-Dosis fortzusetzen. JL

Quelle:Pascual, AM: Revision of the risk of secondary leukaemia after mitoxantrone in multiple sclerosis populations is required, Zeitschrift: MULTIPLE SCLEROSIS, Ausgabe: 15 (2009), Seiten: 1303-1310

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