Gyn-Depesche 6/2011

Onkologie

Die Ovarfunktion kann unerwartet aufleben

Die endokrine Therapie des rezeptorpositiven Mammakarzinoms mit Aromatasehemmern hat sich bei postmenopausalen Frauen bewährt. Die Feststellung des Menopausen-Status kann aber Probleme bereiten.

Als einen Marker einer Ovar-Restfunktion nach Chemotherapie-induzierter Amenorrhö könnte man sich das Anti-Müller-Hormon vorstellen. Die Spiegel korrelieren mit dem Alter, bei dem die Menopause eintritt.

In Belgien nahm man sechs Fälle unter die Lupe, in denen unter Aromatasehemmer-Therapie Tests auf Anti-Müller-Hor­mon bestimmt worden waren. Die Frauen waren zum Zeitpunkt der Brustkrebs-Diag­nose prämenopausal. Nach Chemotherapie waren sie amenorrhoisch und erhielten, teils nach Tamoxifen, Aromatasehemmer. Die Spiegel von Anti-Müller-Hor­mon waren niedrig oder nicht nachweisbar; trotzdem fand man bei allen Zeichen einer Reaktivierung der Ovarien (vaginale Blutungen, Nachweis von Endometriumhyperplasie, Verschwinden von Hitzewallungen etc.). Analysen von Estradiol und FSH zeigten z. T. prämenopausale Werte.

Die Autoren warnen davor, eine Amenorrhö nach Chemotherapie mit Menopause gleichzusetzen. Bei Frauen mit Brustkrebs müsse die WHO-Definition der Menopause neu formuliert werden. AL

Quelle:Dieudonné AS et al.: Undetectable antimüllerian hormone levels and recovery of chemotherapy-induced ovarian failure in women with breast cancer on an oral aromatase inhibitor, Zeitschrift: MENOPAUSE, Ausgabe: 18 (2011), Seiten: 821-824

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